Online-Intensivworkshop

Erwerbstätige pflegende Angehörige fühlen sich überfordert, allein, zerrissen zwischen den Anforderungen. Sie verlieren Zeit und Nerven mit Bürokratie. Und sie erfahren nur wenig gesellschaftliche Wertschätzung für ihr Engagement.

Wie die physische und psychische Gesundheit von pflegenden Angehörigen, die außerdem mitten im Beruf stehen, gefördert werden kann, diskutierten 31 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Intensivworkshop „Gesundheitsförderung für erwerbstätige pflegende Angehörige“, der am 28. und 29. Mai online stattfand.

Pause muss sein: Unsere Kollegin Anna Böhmer brachte die Teilnehmer:innen in der bewegten Pause auf Trab. Foto: jcomp – freepik.com

Betroffene kamen mit Vertreter:innen aus Behörden, Kommunen, Gesundheitsverwaltung und Unternehmen zusammen. Eigene Pflegeerfahrungen flossen ebenso in die Diskussionen ein wie Ergebnisse einer Befragung von Betroffenen, die reges:BOR im Vorfeld durchgeführt hatten.

Das Arbeitsjournal: Unser didaktisches Hilfsmittel für Gedanken, Stichworte und Ideen aller Art.

Doch Diskussionen alleine führen nicht zu Lösungen: Die Teilnehmenden benannten im ersten Schritt die „unerwünschten Zustände“, also die Probleme der Betroffenen. Daraus leiteten sie ab, was pflegende Angehörige bräuchten, um ihre Situation besser bewältigen zu können. So entstand eine Vielzahl an Ideen, die im Laufe der Arbeit eingegrenzt und konkretisiert wurden. Sechs Maßnahmen blieben übrig, die nun auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden.

Im Idealfall könnten bereits 2022 erste Projektpflänzchen das Licht der Welt erblicken – bis dahin müssen sie noch weiter aufgezogen werden. Das geschieht in den folgenden Wochen durch die Projekt-Entwicklungsschmiede reges:TuN. 

„Wir wollen erste Keimlinge entwickeln, aussetzen und gießen. reges:TuN wird dann für alles da sein, was auf dem Weg zu tun ist.“

Prof. Dr. Marcellus Bonato, Projektleiter reges:TuN

„Es war im Workshop eine echte Herausforderung, stets Kompromisse zu schaffen. Es gibt die Denker, die Macher, die, die fachlich auf die Ideen gucken und die, die von oben drauf gucken.“

Workshop-Teilnehmerin

Entstandene Projektideen

Die Pflege-Parent-Party

Eltern von pflegebedürftigen Kindern sind häufig besonders isoliert, zudem ist die Informationslage für sie dürftiger. Die „Party“ bringt betroffene Eltern online und real  zusammen – in einem fest etablierten Netzwerk mit zentraler Steuerung und regionalen Angeboten.

Der Podcast für pflegende Enkel

Auch Jugendliche und junge Erwachsene pflegen. Für sie gibt es bislang keinerlei „Ort“, der ihr Lavieren zwischen Familienpflege, Schule, Ausbildung oder Studium abbildet. Der Podcast nimmt ihre Themen auf, die Sozialen Kanäle rund um den Podcast führen die Inhalte weiter. 

Starke Betriebe für pflegende Angehörige

KMU bilden „Lerntandems“: Die Unternehmen unterstützen sich gegenseitig, lernen voneinander, bilden vielleicht Synergien. Die Aktivitäten gehen von Geschäftsführung bzw. Personalentwicklung aus. Ziel ist stets, die Situation der Mitarbeitenden zu erleichtern, um sie im Betrieb zu halten.

Hand in Hand – Begegnungs- und Beratungscafé

Echte menschliche Begegnungen mit anderen Betroffenen sowie unabhängigen Berater*innen fehlen vielen epA. Hand in Hand möchte Menschen in ähnlicher Situation zusammenbringen, sie unabhängig beraten, aber auch Angebote für ein Miteinander machen.

Der Picknickkorb der Selbstfürsorge

Neu-Pflegenden wird ein Paket an die Hand gegeben, das sie über alle Angebote in ihrer Kommune informiert – im Idealfall schon als „Rüstzeug“ vor Eintreten einer Pflegebedürftigkeit. Ein Koordinationsbüro sorgt für Recherche und Vernetzung.

Die Etablierung von epA-Begleiter:innen in Betrieben

Mehr Achtsamkeit den pflegenden Mitarbeiter:innen gegenüber: Geschulte und regional gut vernetzte Berater:innen in den Betrieben nehmen die organisatorischen Herausforderungen und die (Arbeitsplatz)Sorgen der Mitarbeitenden wahr und finden gemeinsam Wege. Eine Maßnahme der Unternehmen, um ihre wertvollen Fachkräfte zu binden.